1D- oder 2D-Code? QR, DataMatrix und GS1 Sunrise 2027 im Überblick

1D- oder 2D-Code? QR, DataMatrix und GS1 Sunrise 2027 im Überblick

Nach rund 50 Jahren Strichcode steht dem Handel die größte Umstellung seit Einführung des EAN-Codes bevor. Unter dem Stichwort GS1 Sunrise 2027 bereitet sich die Branche weltweit darauf vor, an den Kassen neben dem klassischen Strichcode auch 2D-Codes zu verarbeiten. Höchste Zeit also, die beiden Code-Welten einmal sauber gegenüberzustellen – und zu klären, was die Umstellung für Ihren Betrieb bedeutet.

1D-Codes: der bewährte Klassiker

Eindimensionale Codes – allen voran der EAN-13 auf Verpackungen sowie Code 128 und Code 39 in Lager und Logistik – kodieren Informationen in unterschiedlich breiten Strichen und Lücken. Sie sind günstig zu drucken, robust und millionenfach bewährt. Ihre Grenze: Sie speichern nur eine kurze Zeichenfolge, in der Praxis meist eine reine Artikelnummer (GTIN). Alles Weitere – Preis, Haltbarkeit, Charge – muss ein nachgelagertes System liefern. Wie sich die Ziffern eines EAN-Codes zusammensetzen, haben wir in einem eigenen Beitrag erklärt.

2D-Codes: kleine Fläche, große Datenmenge

Zweidimensionale Codes speichern Informationen in einer Punktmatrix – und damit um Größenordnungen mehr:

  • QR-Code: Der bekannteste 2D-Code fasst bis zu mehreren tausend Zeichen und ist dank eingebauter Fehlerkorrektur (Reed-Solomon) auch bei Beschädigungen von bis zu ca. 30 % der Fläche noch lesbar. Vom Marketing über Tickets bis zur Industrie universell einsetzbar.
  • DataMatrix: Extrem platzsparend – bereits wenige Millimeter Kantenlänge genügen. In der Elektronikfertigung und Medizintechnik Standard für die direkte Bauteilkennzeichnung. Als GS1 DataMatrix kennzeichnet er in Europa seit 2019 verpflichtend jede verschreibungspflichtige Arzneimittelpackung (Stichwort securPharm): mit GTIN, Charge, Verfallsdatum und Seriennummer.
  • PDF417: Der „gestapelte" Code, bekannt von Ausweisdokumenten, Frachtpapieren und Bordkarten.
  • Aztec: Kommt ohne Ruhezone aus und ist der Standard bei Bahntickets.

Was steckt hinter GS1 Sunrise 2027?

Die Initiative der Standardisierungsorganisation GS1 verfolgt ein klares Ziel: Bis Ende 2027 sollen Kassensysteme im Einzelhandel weltweit in der Lage sein, neben dem EAN-Strichcode auch 2D-Codes zu verarbeiten – konkret QR-Codes mit GS1 Digital Link sowie GS1 DataMatrix. In einer Übergangsphase tragen Produkte beide Codes, langfristig kann der 2D-Code den Strichcode ersetzen.

Der Nutzen liegt auf der Hand: Ein einziger Code auf der Verpackung enthält dann nicht nur die GTIN, sondern zusätzlich etwa Mindesthaltbarkeitsdatum, Charge und Seriennummer – und kann gleichzeitig als Web-Link auf Produktinformationen, Herkunftsnachweise oder Rezepte verweisen. Für den Handel eröffnet das automatische Frischekontrolle an der Kasse (abgelaufene Ware wird erkannt), präzisere Rückrufe und bessere Rückverfolgbarkeit; für Konsumenten mehr Transparenz per Smartphone-Scan.

Was bedeutet das für Handel und Lager?

Der wichtigste Punkt betrifft die Hardware: Klassische Laserscanner können ausschließlich 1D-Strichcodes lesen. 2D-Codes erfordern einen kamerabasierten Scanner, einen sogenannten 2D-Imager. Wer heute Scanner anschafft, sollte deshalb konsequent auf 2D-fähige Geräte setzen – der Preisunterschied ist inzwischen gering, und die Geräte lesen selbstverständlich auch weiterhin alle gängigen 1D-Codes.

Ein 2D-Imager bringt darüber hinaus handfeste Alltagsvorteile:

  • Codes werden in jeder Ausrichtung erkannt – kein Zurechtdrehen der Ware an der Kasse.
  • Auch Codes auf Displays (Kundenkarten-Apps, mobile Gutscheine, E-Tickets) werden zuverlässig gelesen – daran scheitern Laserscanner grundsätzlich.
  • Bessere Ergebnisse bei beschädigten oder schlecht gedruckten Codes dank Fehlerkorrektur.

In unserer Kategorie Barcode-Scanner finden Sie eine große Auswahl an 2D-Imagern – kabelgebunden, kabellos und als stationäre Präsentationsscanner für den Kassenplatz.

Fazit

Der Strichcode verschwindet nicht über Nacht – aber die Richtung ist eindeutig: 2D-Codes werden zum neuen Standard im Handel. Wer bei anstehenden Neuanschaffungen bereits jetzt auf 2D-Imager setzt, ist für Sunrise 2027 gerüstet, kann Display-Codes und securPharm-Kennzeichnungen verarbeiten und erspart sich eine teure zweite Umrüstungswelle. Kurz: Es gibt kaum noch einen Grund, 2026 einen reinen 1D-Scanner zu kaufen.